Hintergrund

In den 1960er Jahren entwickelte sich Fernsehen zum Lagerfeuer der Neuzeit und war lange Zeit das Medium, über das Nachrichten, Neuigkeiten, Tratsch, Unterhaltung, aber auch Normen, Zusammengehörigkeitsgefühle und Trost mit der größten Reichweite vermittelt werden konnten. Noch 2011 vermaßen Statistiker in Deutschland den Rekord-Fernsehkonsum von durchschnittlich 225 Minuten pro Tag. Und heute – nur 15 Jahre später – mutet Fernsehen an wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten und die damit verbundenen Geschichten strahlen im Kontrast zur heutigen vom Internet dominierten Medienlandschaft.

Inhaltlich beschäftigen sich die Geschichten mit der Funktionsweise (insb. Radio-Boxer, Immer ein aufgeräumtes Wohnzimmer und In Sichtweite, bei denen es um die Zeitgleichheit von Ausstrahlung und Empfang geht) und der Wirkung der Fernsehbilder.

Mit der Geschwindigkeit von Licht fragt nach der Wirkung der Fernsehbilder auf außerirdische Intelligenzen, dahinter taucht natürlich die viel näher liegende Frage auf nach der Wirkung auf uns. Die im Testbild (25 Bilder pro Sekunde) untergebrachte Frage „Wie viel sagen 25 Bilder pro Sekunde?“. Die Wirkung auf unsere Träume (schwarz/weiß) und auf das, was wir gewillt sind zu wissen. Falsche „Fakten“ (Lindenstraße und Tatort Münster in Wie stirbt der Mensch?), die als wahr angenommen werden, weil sie hundertfach im Fernsehen zu sehen sind, und solch abstruse Auswirkungen haben, dass Kinder glauben, Todesfälle gäbe es nur durch Erschießen, und Katholiken sich über die Segensvermittlung im Fernsehen Gedanken machen (In Sichtweite).

Was sich an Fernsehwirkung fast durch alle Geschichten zieht, ist das Spenden von Trost: das Zukunftsversprechen in Radio Boxer, Mr. Tagesschau Hr. Köpke als Freund/Bekannter im eigenen aufgeräumten Wohnzimmer, die (ersehnte) Gemeinschaft mit den Bewohnern der Lindenstraße, sogar das Vergeben von Sünden (In Sichtweite) und sogar die Unsterblichkeit durch Verbreitung aller Fernsehbotschaften mit der Geschwindigkeit von Licht. Und natürlich Trost durch das Zusammengehörigkeitsgefühl, das durch das Wissen entsteht, dass zeitgleich mit mir Millionen – und noch wichtiger: meine Freunde und Bekannten – das gleich sehen wie ich. Darum die Betonung auf Bilder aus Tagesschau, beliebte Serien wie Dallas, Denver, Derrick, Tatort, Lassie, Lindenstraße, Twin Peaks, Sendung mit der Maus, Sesamstraße, Hitparade, … Berühmtheiten wie Elvis, Marilyn Monroe, Superman, David Bowie, Karl-Heinz Köpcke, das Haus am Mount Rushmore aus North by Northwest …

Bei aller Aufzählung ist klar, dass diese Gemeinsamkeit von Millionen Fernsehzuschauern aus den beschränkten Möglichkeiten/Angeboten bis in die 90er Jahre resultierte. Beschränkungen auf technischer Seite (schwarz/weiß, nur lineares Fernsehen, fehlende oder begrenzte Aufnahmemöglichkeiten) und auf der Angebotsseite (wenige Kanäle, beschränkter Programmumfang). Ikonografisch steht dafür das Testbild (25 Bilder pro Sekunde und schwarz/weiß), das zu Zeiten ausgestrahlt wurde, wenn der Kanal kein Programmangebot hatte.

Die Bilder der Ausstellung

25 Leinwanddrucke gespannt auf 2cm Keilrahmen.   Bilder zum Vergrößern anklicken.

 

25 Bilder pro Sekunde

Leinwanddruck. Format: 135cm x 90cm
 

Poster. Format: DIN A2
 
 

Radio-Boxer

Leinwanddruck. Format: 135cm x 90cm
 
 

Immer ein aufgeräumtes Wohnzimmer

       

3 + 2 Leinwanddrucke. Format: 80cm x 60cm (alternativ: 100cm x 75cm)
 

Schwarz/Weiß

   

   

   

9 Leinwanddrucke. Format: 60cm x 45cm
 
 

Wie stirbt der Mensch?

Tatort Münster

Leinwanddruck. Format: 90cm x 60cm (alternativ: 120cm x 80cm)
 
 

Lindenstraße

Leinwanddruck. Format: 90cm x 60cm (alternativ: 120cm x 80cm)
 
 

Durch Erschießen

Leinwanddruck. Format: 140cm x 70cm
 
 

In Sichtweite

Leinwanddruck. Format: 120cm x 90cm
 
 

Mit der Geschwindigkeit von Licht

Nach all den Jahrzehnten, die die Voyager-Raumsonden im All unterwegs sind, eilen ihnen noch immer die Fernsehwellen des gestrigen Tages voraus.

Leinwanddruck. Format: 70cm x 140cm
 
 

The Big Bang Theory hat längst Alpha Centauri erreicht.

Leinwanddruck. Format: 90cm x 60cm (alternativ: 120cm x 80cm)
 
 

Twin Peaks hat Sirius erreicht.

Leinwanddruck. Format: 90cm x 60cm (alternativ: 120cm x 80cm)
 
 

Dallas und Denver haben Wega passiert.

Leinwanddruck. Format: 90cm x 60cm (alternativ: 120cm x 80cm)
 
 

Sesamstraße und die Maus erklären unsere Welt den Planeten, die 10 Tauri umkreisen.

Leinwanddruck. Format: 90cm x 60cm (alternativ: 120cm x 80cm)
 
 

Alle Nachrichtensendungen, alle Quiz-Fragen, die Talkshows, Thriller und Liebesfilme, jede Sex-Szene, jedes Happyend, die Fausthiebe, Messerstiche und Schüsse, jeder Waffengebrauch, alles Spät-Nacht-Gelaber, alle Talentsucher, alle Höhepunkte der Fernsehgeschichte sind unterwegs mit der Geschwindigkeit von Licht.

Leinwanddruck. Format: 90cm x 60cm (alternativ: 120cm x 80cm)
 
 

225 Minuten des Tages (Straßenfeger / Nomaden im Sessel)

Leinwanddruck. Format: 135cm x 90cm
 

Poster. Format: DIN A3
 

Poster. Format: DIN A3
 

Der Katalog

 

Rundgang

Die Geschichten über Fernsehen wurden erstmals im September/Oktober 2025 in der Galerie einRaum5-7 in Braunschweig gezeigt. Auf den 29 qm Ausstellungsfläche fanden 24 der 25 Bilder Platz.

     

Ankündigung. Flyer.

 

Rundgang durch die Ausstellung mit Auszügen aus den Sounds der Micro-Performance (Radio-Boxer) und dem Ton-Zusammenschnitt verschiedener Fernsehsendungen, der in der Galerie als Hintergrund-Beschallung lief.

Michael Kaps

geb. 1962, wohnhaft in Braunschweig, portraitiert seit den 1980er Jahren unser Leben in einer technisierten Welt und konzentriert sich dabei auf den Übergang vom analogen ins digitale Zeitalter.

Zusammen mit Andreas Rother (Sounds) und Andreas Kebschull (Film) erarbeitete er verschiedene Micro-Perfomances zu technologischen Themen. Die Performance »Radio Boxer … und dann« zur Geschichte des Fernsehens wurde zu Vernissage und Finissage der Ausstellung aufgeführt.

Kontakt: kaps@micro-skop.de